Mehr Selbstständigkeit im Alltag ermöglichen: Innovative Forschung am Hertie-Institut

Hände mit Sensoren, die ein Brot schneiden

Wie können Menschen mit Bewegungsstörungen wieder einfacher essen, trinken oder alltägliche Handlungen ausführen? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein Forschungsprojekt am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung – und erhält dabei Unterstützung von unserer Stiftung.

Im Fokus stehen sogenannte robotische Assistenzsysteme, die ungewollte Bewegungen wie Zittern (Tremor) oder Koordinationsstörungen gezielt ausgleichen können. Ziel ist es, betroffenen Menschen ein Stück Selbstständigkeit und Lebensqualität zurückzugeben.

Grundlage für den Fortschritt: Daten verstehen lernen

Unsere Förderung ermöglicht den ersten wichtigen Schritt: den Aufbau einer umfassenden Datengrundlage (Baustein 1). Dafür werden Bewegungsabläufe von Patientinnen und Patienten unter alltagsnahen Bedingungen präzise erfasst – etwa beim Greifen, Essen oder Trinken. Moderne Technologien wie Bewegungssensoren, Eye-Tracking und Videoanalysen kommen dabei zum Einsatz.

Diese Daten sind entscheidend, um zu verstehen, welche Bewegungen beabsichtigt sind – und welche durch die Erkrankung entstehen. Erst auf dieser Basis können intelligente Assistenzsysteme entwickelt werden, die gezielt unterstützen, ohne natürliche Bewegungen zu behindern.

Von der Datengrundlage zur konkreten Unterstützung im Alltag

Aufbauend auf diesen Daten verfolgt das Projekt einen klar strukturierten Entwicklungsweg:

  • Intention erkennen: Im nächsten Schritt werden Verfahren entwickelt, die zuverlässig zwischen gewollten und ungewollten Bewegungen unterscheiden können.
  • Bewegungen verstehen und modellieren: Die gewonnenen Daten fließen in neuartige mathematische Modelle ein, die die Entstehung von Tremor und anderen Bewegungsstörungen besser beschreiben.
  • Intelligente Steuerung entwickeln: Darauf aufbauend entstehen Regelungsalgorithmen, die in Echtzeit korrigierend eingreifen können, ohne die natürliche Bewegung einzuschränken.
  • Technologie praktisch umsetzen: Parallel werden innovative, leichte und flexible Antriebssysteme erforscht und getestet, die sich für den Einsatz im Alltag eignen.
  • Erprobung in realen Alltagssituationen: Schließlich werden die entwickelten Assistenzsysteme in typischen Situationen wie Essen oder Trinken erprobt und weiter optimiert.

Ein Beitrag mit Wirkung über das Projekt hinaus

Die erhobenen Daten sollen nicht nur dem Projekt selbst dienen, sondern auch anderen Forschenden datenschutzkonform zur Verfügung gestellt werden. So trägt die Förderung dazu bei, die Entwicklung neuer Therapie- und Assistenzlösungen langfristig zu beschleunigen.

Mit unserem Engagement unterstützen wir einen innovativen Ansatz an der Schnittstelle von Medizin, Robotik und Informatik – mit dem klaren Ziel, den Alltag vieler Menschen nachhaltig zu verbessern.