„Ich bin Ich“
Für zehn Schüler*innen der Helene-Schoettle-Schule, einer Schule mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung, waren es zwei besondere Tage.
Die Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren sollten sich kreativ mit ihrer eigenen Identität und ihrem äußeren Erscheinungsbild auseinandersetzen, dabei stand das Selbsterleben im Mittelpunkt. Gerade für Jugendliche mit geistiger Behinderung ist die Möglichkeit, sich durch Kunst auszudrücken, ein wichtiger Zugang zur eigenen Persönlichkeit und zur sozialen Welt.
Aber sehen Sie selbst: Die Jugendlichen betrachteten sich intensiv im Spiegel, beobachteten Details und Besonderheiten und setzten erste zeichnerische Impulse auf Papier um. Unterstützt wurden sie dabei durch eine erfahrene Künstlerin der Jugendkunstschule, die eine verständliche Einführung in grundlegende Zeichentechniken gab. In einer ruhigen und konzentrierten Atmosphäre entstanden erste Selbstporträts mit Bleistift. Besonders bemerkenswert war, wie aufmerksam die Schüler*innen sich selbst wahrnahmen und mit welchem Ernst sie ihre Arbeiten umsetzten.
Am zweiten Projekttag wurden die Zeichnungen weiterentwickelt und in einer neuen künstlerischen Technik umgesetzt. Die Jugendlichen lernten den Druck kennen und durften ihre Porträts mit verschiedenen Farben und Werkzeugen drucken. Dabei entstanden farbenfrohe, individuelle Kunstwerke, die nicht nur das kreative Potenzial der Teilnehmenden sichtbar machten, sondern auch eine tiefe persönliche Note trugen. Viele Werke spiegelten Gefühle, Stimmungen oder Charakterzüge der Jugendlichen wider und wurden mit großer Begeisterung betrachtet und kommentiert.
Die beiden Projekttage waren geprägt von einem wertschätzenden Miteinander, gegenseitiger Unterstützung und einem hohen Maß an Konzentration. Die Jugendlichen zeigten großes Engagement und waren durchweg mit Freude bei der Sache. Besonders schön war zu beobachten, wie stolz viele Teilnehmer*innen auf ihre Arbeiten waren.
Das Projekt „Ich bin Ich“ hat eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig künstlerisches Arbeiten gerade im sonderpädagogischen Kontext ist. Es fördert nicht nur die ästhetische Bildung, sondern stärkt die Persönlichkeit, die soziale Kompetenz und die Ausdrucksfähigkeit. Die Erfahrung, etwas Eigenes zu schaffen und gesehen zu werden, wirkt nachhaltig und ermutigend.
Annabell Kraus, Unterrichtende an der Helene-Schoettle-Schule: „Wir danken der Claudine und Eike Hallwachs-Stiftung herzlich für die großzügige Förderung dieses besonderen Projekts. Ohne diese Unterstützung wäre die Kooperation mit der Jugendkunstschule in dieser Form nicht möglich gewesen. Die künstlerische Arbeit mit den Jugendlichen wird uns allen in sehr positiver Erinnerung bleiben und hat bleibende Spuren hinterlassen – in Form von Kunstwerken und Erfahrungen.“


